Kleine Geschichten aus Tambow

Gemeinsam Abendmahl feiern

Seit vier Jahren gibt es in Tambow ein kirchliches Gymnasium. Es trägt den Namen des ersten Tambower Bischofs, Pitirim. Der ließ nicht nur Kirchen und Klöster in seinem Kirchengebiet bauen, ihm lag auch die Bildung junger Menschen am Herzen. Der Bau so mancher Tambower Schule im 18. Jahrhundert ist seiner Initiative zu verdanken. 500 Schüler*innen besuchen das Gymnasium. Die Schule steht auf dem Gelände der Dreifaltigkeitskathedrale, die vor gut 10 Jahren in einem Neubauviertel errichtet wurde. Es gibt einen Schulchor, der neben einem großen Repertoire an Volksliedern auch die Liturgie seiner Kirche erlernt. Und da in der Orthodoxen Kirche der gesamte zweistündige Gottesdienst kirchenslavisch gesungen wird, ist das eine Leistung. Außerdem singen die Kinder und Jugendlichen auswendig. Hier geht es weiter:

Mein Haus ist auch dein Haus

Nina ist eine richtige Aussteigerin. Ihren guten Job als Chemie Dozentin an der Tambower Universität gab sie auf, weil ihr Mann Nikolaij, Apotheker, Ende der 80er Jahre Priester werden wollte. Nach dem Tod seines Vaters, der diesen Beruf auch ausgeübt hatte zur Zeit von Stalin, Chruschtschow und Breschnew. Als Ende der achziger Jahre die Archive für eine kurze Zeit geöffnet wurden und die Menschen Einsicht in die Familienakten haben konnten, war Nikolaij Toropzew fest entschlossen, die Arbeit seines Vaters fortzusetzen. Und Nina Toropzewa nahm ihre neue Rolle mit Freude und großer Leidenschaft an. Hier können Sie weiterlesen:

Drei Engel

Es war im Mai 1996 in Tambow. Gegen 21 Uhr fuhren wir los. Mit dem Bus der Gemeinde. Dieser Bus war der ganze Stolz von Vater Niklolaij, dem Priester der Kirche „Aller Leidenden Freude“. Etwa 500 km lagen vor uns, eine Entfernung, die wir in 13 Stunden (!) zurückgelegt haben mussten. Unser Flugzeug nach Frankfurt ging um 12 Uhr ab Sheremetjewo, dem im Norden von Moskau liegenden Flughafen. Zehn ereignisreiche Tage lagen hinter uns, und an Schlaf war überhaupt nicht zu denken. Laut ging es zu, zwei Stunden verflogen unbemerkt, die Sommersonne lag noch über dem Horizont und tauchte die immer gleichbleibende Landschaft in ein warmes Licht. Und dann fuhr der Bus rechts raus. Nein, da war kein Parkplatz, aber einige Büsche gab es, hinter die wir uns wohl setzen sollten, so für alle Fälle. Hier geht es weiter: